Keramiktopf für Kautabak
Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat dieser Tage mitgeteilt, dass drei Viertel der 12- bis 25-Jährigen nicht rauchen. Neben den Raucherzahlen der klassischen Zigarette sind auch die Zahlen der Schnupf- und Kautabakkonsumenten weiter rückläufig. Dies ist ein tiefgreifender Unterschied zu den Konsumentenzahlen vorheriger Generationen - damit klingt der wilde Tabak-Boom des vorherigen Jahrhunderts endgültig ab. Die Rendsburger Museen haben eine Reihe an Rauchutensilien aus dem 20. Jahrhundert in ihrem Archiv und dokumentieren diese Rauchkultur fortwährend. Im Rahmen der Sonderausstellung: „Rauchen – Abschied von einer Kultur“ wurde dieses Thema bereits 2008 aufgegriffen.
Der Kautabak, auch Mundtabak oder Priem genannt, war und ist ein Genussmittel, das aus verarbeitetem und mit Zusatzstoffen versetztem Tabak besteht. Dieser wird im Mund gehalten oder gekaut und entfaltet so seinen Hauptwirkstoff Nicotin, der dann über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Kautabak gehört mit Schnupftabak zu den rauchfreien Tabakwaren. Den Weg von Amerika nach Europa fand er schon mit der ersten Reise von Christoph Kolumbus im 15. Jahrhundert – er beobachtete die indigene Bevölkerung, wie sie Muschelkalk und Tabak vermischten und darauf kauten – diese Kulturtechnik ist somit der Vorläufer des uns bekannten Kautabaks.
Der hier gezeigte Keramiktopf mit Deckel und Zange gehörte zum Inventar des Tabakhändlers M. Hansen aus Rendsburg, der seine Fabrik in der Bismarckstraße hatte. Um den Topf läuft oben und unten ein braunes Ornamentband. Die Schrift, Ornamente und Fabrikmarke sind vertieft eingearbeitet und blau ausgefüllt. Der Löwe der Fabrikmarke ist beige mit braunem Muster. Inschrift auf der Vorder- und Rückseite: Kautabak M. Hansen Jr. Rendsburg, gegr. 1815. Da der kleine Deckelknauf verhältnismäßig klein im Vergleich zu den Seitenhenkeln ist, weist diese Art auf eine Vorkriegsproduktion hin. Der Topf war im jahrzehntelangen Besitz eines Rendsburger Bürgers, der in ihm, der Sache entsprechend, Kautabak lagerte und diesen anschließend konsumierte.
