Kinderbecher
Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1885
Material: Porzellan
Inventarnr.: HMR 4948
Dieser Kinderbecher war ein Geschenk eines Rendsburger Mädchens von seinen Eltern zur Einschulung. Das Mädchen hieß Emmy Weber, wie ein Schriftzug auf der Tasse verrät, und wurde zu Ostern 1885 in die erste Klasse eingeschult. Was das Wort „Leberfleck“ vor der Jahreszahl zu bedeuten hat, ist nicht bekannt.
Auf der mit goldenen und schwarzen Rändern verzierten Tasse sind verschiedene Szenen aus dem bevorstehenden Schulalltag sowie häusliche Szenen abgebildet. Zwei Mädchen mit Zöpfen sind gerade dabei, sich die Augen reibend aus ihren Betten aufzustehen: die Schule ruft. Auffällig sind die blau-weiß-roten (Schleswig-Holstein-)Wimpel und eine große schwarz-weiß-rote (Deutschland-)Flagge, die in einer Szene von einer Gruppe Menschen (Lehrkräfte mit schwarzen Zylindern und Schüler) durch das Schultor mit der Aufschrift „Heilige Ordnung“ getragen werden. Kurze Sinnsprüche ergänzen die Bilder, alle haben einen Bezug zur kleinen Emmy (wobei ihre genaue Bedeutung dem Betrachter unklar bleibt). Auf den Tassenboden sind ein Saiteninstrument und ein Buch aufgemalt.
Schon früher wurde der Tag der Einschulung besonders begangen und das Kind bekam Geschenke überreicht, die es auf den Schulalltag vorbereiten und den Übergang in den neuen Lebensabschnitt erleichtern sollten. Heute ist die Schultüte, reich gefüllt mit verschiedenen Utensilien für den Schulalltag sowie Süßigkeiten, das wohl populärste Geschenk. Die Einschulung findet heute nicht zu Ostern, sondern nach den Sommerferien statt. In welchem Alter genau das Kind eingeschult wird, unterliegt der Länderhoheit und richtet sich nach bestimmten Stichtagen. In der Regel ist dies mit 6 oder 7 Jahren, in einzelnen Fällen auch bereits mit 5 Jahren.
In Deutschland (bzw. damals Preußen) besteht die allgemeine Schulpflicht seit dem Jahre 1717.
Der Becher stammt aus der Porzellanmalerei Mau in der Mühlenstraße 111 in Rendsburg. Einem Adressbuch von 1898 ist zu entnehmen, dass ein gewisser Wenzel Weber als Porzellanmaler in ebendiesem Geschäft tätig war. Es handelt sich hierbei um Emmys Vater, der seiner Tochter die Tasse als Geschenk zur Einschulung anfertigte.
