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Objekt des Monats Januar 2018

Unter die Haube kommen

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats ist eine Haube aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Unter die Haube kommen: Auch heute wird dieser Ausdruck noch verwendet, wenn eine Frau heiratet – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Im wahrsten Sinne des Wortes trugen die Frauen im Mittelalter ab ihrer Hochzeit eine Haube auf ihrem ebenfalls ab diesem Zeitpunkt hochgesteckten bzw. insgesamt ‚versteckten‘ Haar und waren somit auch in der Gesellschaft als Verheiratete erkennbar; ledige, junge Mädchen sowie Prostituierte trugen ihr Haar offen. Auch bei Ehebruch durfte die Haube nicht mehr getragen werden. Denn das Haar galt als ‚sündhaft‘ und offen getragen war es nicht (mehr) mit dem Frauenbild des Mittelalters vereinbar, das der Frau insbesondere Keuschheit, Tugendhaftigkeit und Frömmigkeit zuschrieb. Außerdem wurde durch das Tragen einer Haube die – zur Zeit des Mittelalters als ‚Gott gegebene‘ – Untertänigkeit dem Mann gegenüber demonstriert.

Durch Form, Farben und Verzierung konnte man auch den gesellschaftlichen Stand ihrer Trägerin festzustellen. Generell galt, dass je kleiner die Haube war, desto höher der gesellschaftliche Stand. Dennoch veränderte sich damals wie heute die Mode, die beispielsweise Einflüsse aus Italien und Frankreich aufnahm. Kleine Riegelhauben insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert, die man aufgrund ihrer geringen Größe mit Haarnadeln auf zusammengeknotetem Haar auf dem Hinterkopf feststecken musste, veränderten sich unter anderem zu großen Radhauben des 19. Jahrhunderts, die den gesamten Kopf umrahmten.

Als Grundstoff bereits im 12. Jahrhundert galt weißes Leinen, das dann mit Stoff und Schmuck bestickt wurde. Ab dem 18. Jahrhundert wurde auch Baumwolle verwendet. Geschmückt und verziert wurden die Hauben beispielsweise durch Seide, Metall, Baumwolle, Pappe, Glas, Fell, Spitze, Papier, Wachs oder Hanf. Außerdem schmückten zumeist Bänder die Hauben.

Die vorliegende Haube besteht im Grundmaterial aus Leinen. Die Gestaltung hat einen symmetrischen, ovalen Aufbau. In der Mitte der Haube findet man braunen Samt, der mit einem floralen Muster mit Pailletten bestickt ist und an dessen Rand ein Band aus Brokat genäht ist. Die ovale Form wird durch einen breiten Rand aus grüner Seide umschlossen. Die langen, breiten Seidenbänder an der Seite waren vermutlich ehemals rot und haben inzwischen eine leicht bräunliche Verfärbung angenommen. Durch unregelmäßige Heft- und Nadelstiche lässt sich auf eine in Handarbeit gefertigte Haube schließen.

Das Objekt kann noch diesen Monat im Eingangsbereich in unseren Museen im Kulturzentrum angesehen werden.

Material: Leinen, Seide, Brokat, Samt, Pailletten

Datum: Mitte des 19. Jahrhunderts

Maße: Ø 27,5 cm; H 12,5 cm

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