Ein Zylinder inklusive Hutschachtel ist das neuste Objekt in unserer Sammlung. Beiden Objekten soll sich diesen und nächsten Monat zugewendet werden. Zuerst schauen wir uns die Verpackung an: Beschriftet ist die Hutschachtel mit „J. Schröder, Hutfabrikant, Rendsburg“. In einem Rendsburger Adressbuch von1878 ist ein Johann Schröder als Hutmacher, der in der Hohen Straße Nr. 95 sein Geschäft besaß, vermerkt. In einem jüngeren Adressbuch von 1907 ist die Hohe Straße Nr. 20 als Sitz des Geschäfts gelistet. Später übernimmt Wilhelm Schröder, bei dem es sich wahrscheinlich um den Sohn handelt, das Geschäft. In einem Adressbuch von 1925 wird es nicht mehr erwähnt.
Der Beruf des Hutmachers geht bis in das Mittelalter zurück. Eine Quelle bestätigt die Existenz einer Hutmacherzunft in Nürnberg für 1363. Vielerorts wurden die Hutmacher auch Huter genannt. Ursprünglich waren Hutmacher männliche Hersteller von Herrenhüten. Für Damenhüte waren hingegen Modisten zuständig. Dies waren wiederum meist weibliche Herstellerinnen. Hüte wurden und werden aus unterschiedlichsten Materialien hergestellt: Filz, Leder, Stoff, Pelz oder Stroh. Auch heute gibt es neben den maschinellen Hutfabriken noch handwerkliche Hutmacher.
Hutmachersyndrom:Der verrückte Hutmacher ist eine bekannte Rolle aus dem Kinderbuch von Lewis Carroll Alice im Wunderland. Im englischen Original wird er nur als The Hatter bezeichnet. Aufgrund des verrückten Verhaltens der Figur und der bekannten Redewendung hat sich das Attribut „verrückt“/“mad“ im kollektiven Gedächtnis gefestigt. Diese Bezeichnung „verrückt wie ein Hutmacher“/“mad as a hatter“ geht auf das Hutmachersyndrom zurück. In dem Handwerk wurden häufig giftige Materialien eingesetzt, die u.a. Quecksilbervergiftungen zur Folge hatten.
Wem diese Hut einmal gehört haben mag, wissen wir leider nicht. Vielleicht ja einem Mitglied der Rendsburger Gilden…?
