Reservistenkrug „Bosholm“
Jeden Monat präsentieren die LZ und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats März 2017 ist ein Reservistenkrug aus Rendsburg.
Viele Reservisten der kaiserlichen Armee um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert kauften sich nach Ende ihrer militärischen Dienstzeit einen solchen Krug als Andenken. Mit diesem Kauf dokumentierte der Reservist seine Verbundenheit mit dem Herrscherhaus, mit der Armee und natürlich im Besonderen mit seiner Einheit. In seinem jeweiligen Wirtshaus oder bei Reservistentreffen war dieser Krug für ihn reserviert. Die meisten noch heute existierenden Reservistenkrüge, -bilder, -pfeifen, -flaschen und -urkunden entstanden in dieser Zeit. Vor 1875 stößt man nur auf Einzelstücke und ab der Entmilitarisierung in der Weimarer Republik nahm das Interesse an derlei Erinnerungsobjekten ab.
Die Reservistenkrüge wurden aus dem gleichen Material hergestellt, wie die Krüge der übrigen Krug-Produktion - der Form nach gehörten sie zur Gruppe der Walzkrüge. Am beliebtesten und am weit verbreitetsten war der Porzellankrug, da sich seine glatte, schneeweiße Oberfläche besonders gut zur Bemalung und weiteren Verarbeitung eignete.
Der hier gezeigt Krug gehörte dem Reservisten Heinrich Bosholm (*16.10.1888), der von 1908 bis 1910 im Lauenburgischen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 45 in Rendsburg gedient hatte. Die Kanone als Deckelverzierung lässt diese spezielle militärische Zugehörigkeit zur Artillerie schon auf den ersten Blick erahnen. Der Rekrut Bosholm war als gelernter Schmied zum Militär gegangen und kaufte nach seinem Ausscheiden ein Grundstück in Osterrönfeld, das bis heute seinen Nachkommen gehört. Er nahm 1914/15 am deutschen Frankreichfeldzug teil und kam im Verlaufe des Krieges schwer verletzt mit einem Lungenschuss zur Regeneration nach Davos/Schweiz ins Lazarett. Zeitlebens stand dieser Krug als symbolisches Erinnerungsstück auf dem Schreibtisch des 1976 verstorbenen Heinrich Bosholm, der wegen des Todes seines Sohnes im Zweiten Weltkrieg nicht über das Militär und seine Dienstzeit sprechen wollte.
