Brautkrone
Maße: D: 9 cm, H: 8 cm
Herkunft: Rendsburg
Material: Versilbertes Messingblech mit Glasapplikationen
Inventarnummer: 2645-b
Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats Mai ist eine aus Rendsburg stammende Brautkrone aus dem 18. Jahrhundert. Die reichlich verzierte Krone ist aus einem Stück Messingblech gefertigt und misst neun Zentimeter im Durchmesser sowie acht Zentimeter in der Höhe. Die Oberfläche des Objektes ist versilbert worden. Die fünf eichenblattförmigen Schilde laufen am Ende spitz zu und sind nach außen gebogen. Bei den detailreichen Verzierungen handelt es sich um geschliffene rote, blaue und gelbe Glassteine, die zum Teil verloren gegangen oder blind geworden sind. Die schwarze Bemalung zeigt ein locker gezeichnetes florales Muster, die die Glassteine miteinander verbindet. Des Weiteren sind vier bewegliche Spiraldrähte mit Sternen zu erkennen, von denen jedoch einer fehlt.
Anders als zunächst zu vermuten wurden Brautkronen nicht ausschließlich am Tag der Hochzeit getragen. Die Kopfbedeckung wurde von ledigen Frauen zu Feiertagen und Festen getragen, zuletzt am Hochzeitstag. Eine Krone war bereits lange vor dem Tragen des Schleiers oder Brautkranzes etabliert und sollte die Reinheit der Frau symbolisieren. Nicht nur die gut situierte Oberschicht leistete sich dieses Brautaccessoire. Tatsächlich zeigte sich die Brautkrone besonders in bäuerlichen Gegenden von besonderer Beliebtheit. Sie fungierte dabei als Statussymbol der ganzen Familie. Je vermögender die Familie, desto reicher die Verzierungen und Applikationen. Aber auch regional wiesen die Kronen Unterschiede in der Fertigung und Verzierung auf, meist abgestimmt auf die getragene Tracht. Jedoch besaßen nur die wohlhabenden Familien eigene Brautkronen, andere konnten sich zumeist nur eine Krone für den Hochzeitstag ausleihen. Nach der Hochzeit wurde die Krone traditionell abgelegt und als Zeichen des Friedens über dem Brauttisch aufgehängt. Zunächst verzierte man den Kopfschmuck etwas schlichter mit Blüten, Tannenzweigen, Kräutern oder reifen Früchten. Erst später begann man wertvollere Materialien wie Perlen, Silber, Gold oder Spiegel zu verwenden. Nur die Verzierungen aus floralen Motiven erinnerten noch an die ursprüngliche Brautkrone.
Bei der Rendsburger Krone handelt es sich um ein Exponat der Oberschicht, die vermutlich lange Zeit innerhalb der Familie tradiert worden ist. Im 18. Jahrhundert löste der Brautkranz, ein ursprünglich heidnischer Brauch aus der 4. Jahrhundert, die Tradition der Brautkrone ab. Doch bis heute finden sich vereinzelt Krönchen oder Diademe als Brautaccessoire, die auf den lange zurückliegenden Brauch der Brautkrone erinnern. Viele deutsche Trachten, wie etwa die des Lindhorster Brautzugs aus Niedersachsen, zeigen diese Tradition noch heute.
