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Objekt des Monats Mai 2018

„Ach, was muß man oft von bösen Kindern hören oder lesen...“

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats ist eine Porzellanfigur, die den „Lehrer Lämpel“ aus dem bekannten Kinderbuch „Max und Moritz: Eine Bubengeschichte in sieben Streichen“ von Wilhelm Busch darstellt.

Buschs Werk zählt zu den bekanntesten der deutschen Kinderliteratur, das etwa 300mal übersetzt worden ist – auch ins Lateinische und Altgriechische. Geboren am 15. April 1832, erscheint „Max und Moritz“  im Spätsommer/ Herbst 1865 durch den Verleger Kaspar Braun. Nach anfänglichen Schwierigkeiten erscheint nach seinem Tod im Jahr 1908 bereits die 56. Auflage des Buches und etwa eine halbe Million Exemplare sind verkauft worden.

Und die Frage bezüglich des Zitats in der Überschrift lautet wohl weniger, wer diesen Satz zu Ende führen kann, sondern wer es nicht kann. Generationsübergreifend dürften zumindest manche Verse in den Köpfen verankert sein: Ach, was muß man oft von bösen Kindern hören oder lesen, wie zum Beispiel hier von diesen, welche Max und Moritz hießen. Im vierten von insgesamt sieben Streichen taucht Lehrer Lämpel in der Geschichte auf. Nichts ahnend in der Kirche orgelspielend, füllen Max und Moritz die Pfeife ihres Lehrers mit Flintenpulver. Kaum Zuhause angekommen und nach Entspannung suchend zu seiner Pfeife greifend nimmt das Unheil seinen Lauf: Rums!! – Da geht die Pfeife los. Mit Getöse, schrecklich groß. Kaffeetopf und Wasserglas, Tobaksdose, Tintenfaß, Ofen, Tisch und Sorgensitz, alles fliegt im Pulverblitz. Doch das ist natürlich noch nicht alles an Scherzen, die sich Max und Moritz erlauben und der fünfte folgt sogleich…

In der realen Welt herrscht zur Zeit an den Rendsburger Gymnasien Abiturprüfungszeit – nichts neues, schließlich lautet nicht nur in der fiktiven Welt von Max und Moritz ein Beschluß, daß der Mensch was lernen muß. Nach den Prüfungen gilt es dann der Welt mitzuteilen, dass die Schule vorbei ist – mit vollem Programm: Abiverleihung, Abiball, Mottowoche – und natürlich dem Abischerz, der hoffentlich in anderen Bahnen verläuft als der Streich von Max und Moritz an Lehrer Lämpel.

Heute werden die karikativen Geschichten um Max & Moritz als Vorläufer des Comics gesehen. Formulierungen wie Schnupdiwup!, Kracks!, Plumps!, Rums!!, Schwapp!, Knacks!!, Ruff!! und Knusper, knasper! ähneln der heutigen Seifenblasensprache in Comics. Auch Explosionsszenen – wie beispielsweise die Pfeife, die in die Luft geht – verweisen auf diese Bildsprache. 32 Jahre nach der Veröffentlichung von „Max und Moritz“ und insbesondere durch den Einwanderungsboom nach Amerika Ende des 19. Jahrhunderts kommt im deutschsprachigen Raum der Comic „Die Katzenjammer-Kids“ auf Wunsch von William Randolph Hearst auf den Markt, der eine moderne Version von „Max und Moritz“ für sein Blatt wollte – gezeichnet von Rudolph Dirks – und als Antwort auf „The Yellow Kid“ von Richard F. Outcault.

Bei dem Objekt handelt es sich um eine kunstfertig handgeformte und handdekorierte Porzellanfigur des traditionellen Porzellanfigurenherstellers Gräfenthal aus Thüringen. Die Figur des Lehrers Lämpel kann auf die Mitte der 1990er Jahre datiert werden.

Das Objekt kann noch diesen Monat im Eingangsbereich in unseren Museen im Kulturzentrum angesehen werden.

Material: Porzellan

Datum: Mitte der 1990er Jahre
Maße: H: 19,5 cm

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