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Objekt des Monats November 2013

Lorgnette

Herkunft und Datierung: Rendsburg, um 1830

Material: Schildpatt, Glas

Inv.-Nr.: HMR 4330-14

Diese aus heutiger Sicht etwas ungewöhnlich anmutende Brillenform, auch unter der Bezeichnung Lorgnon bekannt, hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert in England. Der Optiker George Adams brachte um 1780 die erste starre Lorgnette auf den Markt. Diese ging aus der sog. Scherenbrille hervor, die schon im 15. Jahrhundert bekannt war und bei der man den Stiel zum Halten an die Seite klappte. Im Jahre 1818 erfand der französische Optiker M. Lepage die zierliche Gelenklorgnette. Indem er in der Mitte des Steges ein Gelenk einfügte, konnten die Gläser bei Nichtgebrauch übereinander eingeschlagen werden. Nach 1828 versahen die Optiker das Steggelenk mit einer Feder- oder Springvorrichtung. Diese Springlorgnetten bildeten die bevorzugten Sehhilfen der Biedermeierzeit. Sie wurden oftmals aus wertvollen Materialien hergestellt und dienten vielen Damen der feinen Gesellschaft als unentbehrlicher Modeartikel. Auch bei Maskenbällen waren sie beliebte Utensilien. Außerdem wurden sie als Sehhilfe in Oper und Theater genutzt und dienten somit als Vorläufer des Opernglases. 

Die letzten Lorgnetten wurden in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts getragen. Heute trifft man sie nur noch selten an, da sie neben den modernen Brillengestellen recht exotisch erscheinen und  für den alltäglichen Gebrauch eher unpraktisch sind.

Bei unserer Lorgnette dient die Hülle der einklappbaren Gläser zugleich als Griff zum Halten der Gläser. Sie ist aus Schildpatt gefertigt und hat an einem Ende eine Öse zum Anbringen einer Kette oder Schnur. 

Sie stammt von der Schwiegermutter des Rendsburger Landrates Klaus Brütt, der von 1891 bis 1919 im Amt war.

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