„Der Bau der Superlative“
Jeden Monat präsentieren die Landeszeitungund die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unsere Objekte des Monats November 2017 zeigen ein Foto, vermutlich aus dem Jahr 1958 während des Baus des Rendsburger Kanaltunnels sowie einen Zeitungsartikel vom 18.06.1960, vermutlich aus der Landeszeitung, sowie vom 25.08.2017 aus den Kieler Nachrichten.
Denn man kommt nur schwer an ihm vorbei, wenn man nach Rendsburg hinein oder heraus möchte: dem Kanaltunnel. Am 23. November 1957 war Baustart für das inzwischen langjährige Millionenprojekt, das täglich eine Belastungsprobe für die Nerven vieler Pendler von und nach Rendsburg darstellt.
Dabei sollte der Tunnel doch die Verkehrsprobleme der Stadt lösen, die sich durch die ursprünglich 1895 erstmalig errichtete und 1912 von Friedrich Voß neu konzipierte Drehbrücke über dem Nord-Ostsee-Kanal insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg immer stärker herauskristallisierten. Immer mehr Autos sorgten für kilometerlange Staus vor der Drehbrücke, wenn sie aufgrund passierender Schiffe nicht über die Brücke fahren konnten, denn: der Schiffsverkehr hatte Vorrang. Also schien der Kanaltunnel, der von 1957 bis 1961 für 60 Millionen Deutsche Mark gebaut worden war, die einzig sinnvolle und kostengünstigste Möglichkeit, die Stauproblematik zu entspannen. Zunächst gelang es durch den Tunnel, der eine Gesamtlänge von 1250 m und eine Tunnellänge von 650 m aufweist, die langen Wartezeiten vor der Drehbrücke aufzulösen – 1950 musste die Brücke beispielsweise fast 14 000 mal die Schranken schließen und umgerechnet den Straßenverkehr für ca. 102 Tage sperren – und so wurde diese 1964, drei Jahre nach der Eröffnung des Kanaltunnels, demontiert.
Doch problematisch ist insbesondere die Flut an Fahrzeugen, die täglich durch den Tunnel fahren. Rechnete man in der Planungsphase 1949 mit ca. 18 000, sind es heute bis zu 50 000 Fahrzeuge an einem Tag, die die Lebensdauer des Tunnels strapazieren, Sanierungsarbeiten notwendig machen und diese wiederum kilometerlange Staus nach sich ziehen. Beim Blättern älterer und neuerer Zeitungsartikel scheint man sich regelrecht in einer Zeitschleife wiederzufinden: „Was wird das Tunnelprojekt heute kosten?“ (1951), „Großbaustelle Kanal-Tunnel bei Rendsburg“ (1958), „Es hämmert unter dem Nord-Ostsee-Kanal“ (2017), „Rendsburger Tunnel – Bau der Superlative“ (1960) und „Der Tunnel der Superlative“ (2017) sind nur einige Überschriften, die ohne überlieferte Zuordnung zeitlich zunächst einmal nicht unmittelbar zu klären wären.
Bei dem vorliegenden Foto handelt es sich um eine Fotografie in schwarz-weiß. Es wurde ungefähr im Jahr 1958 aufgenommen und zeigt die Tunnelröhre im Bau aus südlicher Richtung. Der Zeitungsartikel von Juni 1960 mit dem Titel „Rendsburger Tunnel – Bau der Superlative“ erzählt von der Einhaltung des Zeitplans und erklärt die baulichen Herausforderungen des Riesenprojekts. Der aktuelle Artikel von August 2017 berichtet von der Kostenexplosion und – dem inzwischen als termingerecht empfundenen – voraussichtlichen Bauende Anfang 2020.
Material: Papier
Datum: ca. 1958, 18.06.1960 und 25.08.2017
Inventarnummer: k. A.
