Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene und interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats ist Radsportmedaille aus dem Jahr 1895, mit der rückseitigen Gravur: „1895 Reise-Touren 2208,4 km“. Dekoriert wurde damit ein Rendsburger Radsportler, der in dieser Saison auf diese Gesamtleistung gekommen war und dafür mit dem 1. Preis der ‚Allgem. Radfahrer-Union‘ (der Vorläufer des heutigen ‚Bund Deutscher Radfahrer‘) dekoriert wurde.
Nur ein Jahr vorher war in der Gastwirtschaft ‚Martinelli‘ in der Rendsburger Bahnhofstraße der ‚Rendsburger Bicycle-Club von 1894‘ von einer Handvoll radsportinfizierter Rendsburger gegründet worden. Diese Sportart war seinerzeit der allerneueste Schrei; die Fahrräder besorgte man sich im Geschäft von Ferdinand Piening in der Königstraße /Ecke Paradeplatz (später: Paul Matz) oder im Versandhandel (!) von August Stukenbrock aus dem niedersächsischen Einbeck.
Die Rennräder hatten bereits Ausstattungsmerkmale heutiger Rennmaschinen: gebogene Lenker und knallharte Kernledersättel – jedoch keine Schaltung und auch kein Freilauf. Die moderneren Exemplare hatten bereits Luftbereifung statt dem bislang verbreiteten Vollgummi auf den Felgen.
Die Sportkluft war jedoch nicht ein hautenges, atmungsaktives Trikot aus Kunstfaser, sondern bestand aus einer weiten Kniebundhose, Lederschuhe, bequemes Jackett – hochgeschlossen und mit Stehkragen. Einen Kopfschutz gab es nicht.
Die Vereinsaktivitäten des RBC waren zunächst auf Distanzfahrten und Rennen ausgerichtet. Auf den jährlichen Stiftungsfesten wurden auch Darbietungen von Kunstradfahrern geboten; auch Radball kam später hinzu. Eine Zäsur erfolgte durch die notwendig gewordene Namensänderung in ‚Rendsburger Radfahrgemeinschaft‘ unter den Nationalsozialisten, die damit getreu ihrer völkischen Ideologie den Anglizismus rigoros entfernte. Nach der Befreiung 1945 konnte jedoch guten Gewissens bei der britischen Militärregierung der alte Name für die erneute Lizensierung beantragt werden; es erfolgte ein Neustart.-
Radrennen waren Anfang der 1950er Jahre sehr populär. So standen Tausende in Rendsburg an den Straßen, um das Rundstreckenrennen ‚Rund um die Bastion‘ zu verfolgen und ihre Rendsburger Jungs anzufeuern. Bis heute hat sich das Vereinsleben des RBC hauptsächlich auf breitensportliche Angebote mit regelmäßigen wöchentlichen Ausfahrten bis hin zu Mehrtagesfahrten und der Ausrichtung von Radsportveranstaltungen entwickelt. Und auch die Mitgliederzahl: annähernd 150 Radsportlerinnen und Radsportler sind im RBC aktiv und bilden somit den stärksten breitensportlichen Radsportverein in Schleswig-Holstein, der in diesem Monat zudem sein 125jähriges Vereinsjubiläum feiern kann.
Inv.-Nr. HMR 4000
Material: Messing mit Emaille-Einlagen

