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Objekt des Monats Oktober 2011

Kalfaterhammer1

Material: Holz

Herkunft und Datierung: Breiholz, 1903

Inv. Nr.: HMR 3633
  
„12 Tage lebend im gekenterten Schiff“ (original Artikelüberschrift in diversen Zeitungen)

Hans Hinrich Engellandt kenterte am 18. April 1903 mit seiner Kufftjalk „Erndte“ von Memel aus kommend in der Ostsee. Drei Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Engellandt überlebte 12 Tage und Nächte in einer Luftblase des kieloben treibenden Schiffes. Von ihm stammt folgender Bericht:

„Ich saß wie in einer Taucherglocke, hatte aber die Empfindung ‚Aus dieser Lage kommst du wieder heraus‘. In der Nähe vom Kiel baute ich mir ein Gerüst, auf dem ich die Tage zugebracht habe. Über dem Wasser hatte ich noch 5 Fuß Raum. Zunächst fischte ich aus dem Wasser einige Gerätschaften und etwas Proviant auf. Mit einem Hammer, den ich auch auffischte, habe ich jeden Tag von morgens bis abends gegen die eiserne Schiffswand geschlagen, um vorüberfahrende Schiffe aufmerksam zu machen. Mit welcher Energie ich das Schlagen fortgesetzt habe, davon legt der Hammer ein beredtes Zeugnis ab. Bis auf die letzten Nächte habe ich, weil vom Schlagen sehr ermüdet, gut geschlafen. Durch das Wasser drang etwas Tageslicht in mein Gefängnis, so daß ich von morgens 6 bis abends 6 wie im Mondschein saß. Am 12. Abend hatte ich mich eben zur Ruhe gelegt, als ich das Geräusch von Fußtritten über meinem Kopf vernahm. Meine Aufregung läßt sich nicht beschreiben. Mit meinem Hammer gab ich sofort ein Lebenszeichen von mir. Ein englischer Dampfer hatte mein Schiff treiben sehen. Mein Wrack ward ins Schlepptau genommen und nach Neufahrwasser gebracht, wo man mich aus meiner Lage befreite.“

(aus: Rendsburger Jahrbuch, 1978)

1 Ein Kalfaterhammer wird verwendet beim sog. Kalfatern, einer  Tätigkeit beim Schiffbau, bei der die Nähte zwischen hölzernen Schiffsplanken mit Werg oder Baumwolle und Holzteer, Pech oder Gummi abgedichtet werden.

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