„Luthers kleiner Katechismus“
Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats ist das Buch Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus und lehnt sich an das 500-jährige Jubiläum der Reformation an.
Denn ob man gläubig ist oder nicht; über einen Namen stolpert(e) im Jahr 2017 jeder: Martin Luther. Am 31. Oktober 1517 soll der Begründer des Protestantismus 95 Thesen an das Tor der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben. Er übte damit Kritik (nicht nur) am sogenannten Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche, bei dem man sich durch den käuflichen Erwerb eines Ablassbriefes von seinen Sünden befreien lassen konnte. Luthers Stellungnahme zog die Gründung neuer kirchlicher Gemeinschaften nach sich, führte zur Spaltung der römisch-katholischen Kirche und zerstörte somit die kirchliche Einheit des Abendlandes. Durch die Vermischung religiöser mit machtpolitischen Motiven wurde der primär religiöse Charakter der Reformation allerdings verfälscht. In Rendsburg wurde im Frühjahr 1528 nach dem Tod des katholischen Kirchherrn Johan Schröder vom regierenden König Friedrich I. ein protestantischer Nachfolger eingesetzt; dies hätte zu keinerlei Sanktionen gegenüber den Rendsburger Katholiken geführt.
Überall in Deutschland fanden und finden seit dem 1. Januar 2017 Lutherspezifische Veranstaltungen und Aktionen statt; es wurden Bezüge zu Martin Luther und verschiedenen Städten bis in die heutige Zeit hergestellt. Die Oldenburger Kirchenglocken läuteten am Neujahrstag um 15.17 Uhr das Lutherjahr ein, der Deutsche Evangelische Kirchentag im Mai 2017 feierte unter dem Aspekt des Reformationsjubiläums und das Pop-Oratorium Luther ging und geht auf Deutschlandtournee.
Das in unserem Museumsbestand vorhandene Buch Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus (Katechismus = Lehrbuch des christlichen Glaubens) dürfte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen und wurde in Rendsburg von F. M. Wendell gedruckt. F. M. Wendell kam aus der Buchdruckerfamilie von Johann Georg Friedrich Wendell, der am 01. Januar 1808 das erste „Gemeinnützige Wochenblatt für Rendsburg und die umliegende Gegend“ herausgebracht hat – der Vorläufer unserer heutigen Landeszeitung. Das im Inneren bereits leicht zerfledderte Buch ist in Frakturschrift verfasst und verweist in seinem Titelzusatz „für Kinder“ auf eine entsprechende Aufmachung, die sich bereits in der Buchgröße wiederspiegelt. Luther hat in diesem Buch unter anderem die Zehn Gebote und das Gebet „Vater unser“ aufbereitet und erläutert. Den Umschlag ziert ein rostbraun-schwarzes Muster.
Das Objekt kann noch diesen Monat im Eingangsbereich in unseren Museen im Kulturzentrum angesehen werden.
Material: Papier
Datum: Mitte des 19. Jahrhunderts
Maße: 85 x 105 mm
