Schreibmaschine AEG „Mignon“
Herkunft und Datierung: Erfurt/Aukrug, nach 1924
Material: Holz, Metall, Kunststoff
Inv.-Nr.: HMR 9555
Diese Zeigerschreibmaschine der Firma AEG wurde ab 1924 unter dem Namen „Mignon Modell 4“ in Erfurt hergestellt. Das erste Mignon-Modell entwickelte Friedrich von Hefner-Alteneck, ein deutscher Konstrukteur, Elektrotechniker und Ingenieur, 1903. Es folgten weitere Modelle der Mignon, die von der AEG bis 1934 gebaut wurden. Das Besondere an dieser Schreibmaschine ist, dass als Träger der Typen (Zeichen bzw. Buchstaben) eine sogenannte Typenwalze (Typenzylinder) genutzt wurde. Diese Typenwalze konnte gegen insgesamt mehr als 36 verschiedene Walzen ausgetauscht werden, darunter auch welche mit kyrillischen Zeichen. Außerdem gehörte zu jeder Typenwalze ein ebenfalls austauschbares Tableau (Feld mit Buchstaben), das unter den Zeiger in die Mignon eingespannt wurde.
Die Bedienung der Mignon Modell 4 funktionierte folgendermaßen: Mit der linken Hand führte man den Zeiger über das jeweils gewünschte Zeichen. Durch gekoppelte Mechanik stellte sich die Typenwalze automatisch mit dem entsprechenden Zeichen über das Papier. Betätigte man nun die Abdrucktaste mit der rechten Hand, druckte die Typenwalze das Zeichen auf das Papier. Mit einer zweiten Taste konnte ein Leerzeichen gesetzt werden. Hinzu kam eine sogenannte Rücktaste, mit deren Hilfe der Schreibwagen um einen Schreibschritt zurück transportiert werden konnte, um Korrekturen vorzunehmen. Die ersten Ausführungen des Modells 4 hatten noch einen Walzendrehknopf aus Metall (später aus Gummi) und keine Rücktaste. Für den Transport diente ein Holzkoffer mit abnehmbarem Deckel.
Bis zur Durchsetzung des Computers bestimmten Schreibmaschinen ab etwa 1900 rund 100 Jahre lang das Bild in den Büros und auf heimischen Schreibtischen. Ursprünglich waren sie Mitte des 19. Jahrhunderts als Schreibgeräte für Blinde erfunden worden, konnten sich als solche jedoch nicht auf dem Markt etablieren.
