Soldaten-Handstock
Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen.
Das Objekt des Monats Juni ist ein Handstock aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Er ist mit verschiedenen Schnitzereien und am Kopfende mit einem geschnitzten Adlerkopf versehen. Die Krücke ist beilförmig, wobei sich der Stockdurchmesser nach unten verjüngt. Es kann nicht mehr nachvollzogen werden, inwieweit dieser Hand- bzw. Gehstock aus medizinischer Sicht für den Besitzer notwendig war. In der Regel waren und sind Gehstöcke klassische Hilfsmittel zur medizinischen Rehabilitation und vor allem in der Militärgeschichte wichtige Utensilien, um verletzte bzw. verwundete Soldaten wieder „auf die Beine“ zu bekommen.
In der langen Kulturgeschichte unterschiedlicher Stock-Hilfen haben sich viele verschiedene Spielformen des Gehstocks entwickelt: So gibt es sie beispielsweise auch als Wander- oder Spazierstöcke. Wohingegen es beim Wandern um die konkrete Entlastung des Nutzers geht, ist ein Spazierstock sehr viel mehr zur Zier gedacht - das hier vorliegende Objekt scheint eine Art Mischform aus beidem zu sein und zielt sowohl auf Nützlichkeit und Schmuck ab.
Unser Objekt des Monats wurde von dem Rendsburger Soldaten Thede Peters im Ersten Weltkrieg aus französischer Kriegsgefangenschaft mitgebracht. Ob er ihn von einem anderen deutschen Häftling bekam oder ihn selbst während der Gefangenschaft anfertigte, ist nicht bekannt. Bei Eingang dieses Gehstocks in den Fundus des Museums im Jahr 1968 wurde der Stifter, ein Nachkomme des ursprünglichen Besitzers Thede Peters, zu dem Objekt befragt und seine Ausführungen auf einer Karteikarte festgehalten. Seine Schilderungen und Einschätzungen werden an dieser Stelle unkommentiert zitiert:
„Die hohe Generalität im Ersten Weltkrieg ging ja mehr zu Fuß als im letzten Krieg (gemeint ist der Zweite Weltkrieg), und man kann sie auf vielen Bildern mit Handstöcken sehen, wie den General Ludendorff. Bald auch trugen Flieger Handstöcke. Sie durften sich mehr Freiheiten herausnehmen als die anderen Soldaten. Aber im Schlamm von Flandern und in den Sümpfen in Rußland trugen später nicht nur Offiziere, sondern auch andere Dienstgrade und Mannschaften solche Handstöcke. Sie gehörten beinahe zur Ausrüstung der Schützengraben-Soldaten. Durchweg waren es ja Knüppel aus dem Zaun. Aber wie man an diesem Handstock mit Adlerkopf sieht, wurde er auch mit Schnitzereien versehen. Im Zweiten Weltkrieg habe ich viele Offiziere und Soldaten mit Handstöcken gesehen.“ (November 1968).
Zur Objektgeschichte dieses Gehstockes ist weiterhin zu berichten, dass er bis in die 1970er Jahre im Alten Rathaus in dem dortigen Heimatmuseum deponiert war. Nach dem Brand im Rathaus im Jahr 1973 wurde er gereinigt sowie restauriert und dadurch als Museumsobjekt „gerettet“ Sie können dieses Objekt den ganzen Juni über im Eingangsbereich der Museen besichtigen!
