Heilmittelverkauf damals und heute
Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Bei unseren beiden Objekten dieses Monats handelt es sich um einen um eine alte Arzneiflasche sowie den dazugehörigen Papierschnipsel von 1909 der Rendsburger Altstädter Apotheke.
Der Beginn der Apotheken lässt sich auf das 13. Jahrhundert datieren als Friedrich II., der Stauferkaiser, einen Erlass befehligt und gefordert hatte, den Beruf des Arztes und des Heilmittelverkäufers zu trennen. Dieser fungierte auch als Grundlage für die Apothekengesetzgebung in Europa. So sollten beispielsweise keine Preiskartelle möglich sein. Auch heute noch gilt, dass Apotheken keine Ketten sein dürfen; die Eigentümer dürfen maximal vier Filialen in der eigenen räumlichen Umgebung eröffnen.
Daher gibt es heute viele lokale, ortsbekannte Apotheken mit den unterschiedlichsten Namen. Neben den klassischen Bezeichnungen wie Adler-, Löwen- oder Rosen-Apotheke können die Namen auch in die Heilmythen hineinreichen, wenn es sich beispielsweise um eine Einhorn-Apotheke handelt. Doch unabhängig vom Namen ist die Aufgabe und Intention einer Apotheke gleich: Sie soll Heilmittel zur Kurierung bzw. Vorbeugung von Krankheiten bereitstellen und zu einem moderaten Preis verkaufen.
Physisch betretbare Apotheken erkennt man in Deutschland an dem sogenannten „Apotheken-A“, das einen Arzneikelch zeigt sowie die Äskulapschlange, die auf den antiken Heilgott Äskulap zurückgeht. Die Anfänge dieses Symbols geht bis in die 1920er Jahre zurück und wurde 1951 beim Deutschen Patentamt eingetragen. Seit 1972 ist es auch im Deutschen Apothekerverband eingetragen. International wird hingegen das „Grüne Kreuz“ als Zeichen für die Gesundheit verwendet, das man beispielsweise auch bei der Online-Apotheke DocMorris findet. Insgesamt hat sich im Zuge der Digitalisierung auch ein Online-Markt im Heilmittelbereich etabliert, der insgesamt – wie der überwiegende Teil im Online-Verkauf – mit günstigeren Preisen wirbt.
Die Altstädter Apotheke existiert auch heute noch. Zu den AVIIVA-Apotheken gehörend, befindet sie sich – wie der Name bereits verrät – am Altstädter Markt. Die Anfänge dieser Apotheke gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Am 21. November 1696 erfolgte die Eröffnung der einzigen Apotheke in Rendsburg unter der Leitung von H. Hoddersen, der bereits im März 1697 dieses Privileg des dänischen Königs erhielt. Zu dieser Zeit noch unter der Herrschaft des Königreichs Dänemark, war die Zustimmung durch Christian V. absolut notwendig.
Die verkorkte Arzneiflasche ist leer. Der ehemalige Inhalt ist unbekannt. Es ist ein großer Schriftzug mit dem Wort „VORSICHT“ zu lesen. Außerdem befindet sich der Schriftzug „äußerlich“ auf der Flasche. Es könnte sich somit um eine Salbe zur Anwendung auf der Haut gehandelt haben. Der dazugehörige Papierschnipsel stammt vom 23.03.1909 und verweist auf den Beginn der Altstädter Apotheke im Jahr 1696. Er klebte mutmaßlich als Dosierungsanleitung auf der Flasche, ist aber inzwischen abgelöst worden und wurde in einem holzfarbenen Bilderrahmen gerahmt. Des Weiteren sind die Worte „RENDSBURG“, „Arthur Dorsch“ und „Fernsprecher N 2“ auf dem Schnipsel abgedruckt.
Die Objekte können noch diesen Monat im Eingangsbereich in unseren Museen im Kulturzentrum angesehen werden.
Material: Glas (Arzneiflasche); Papier (Zeitungsschnipsel)
Datum: unbekannt (Arzneiflasche); 1909 (Zeitungsschnipsel)
Maße: H: 9 cm, Durchmesser (Flaschenboden): 3 cm (Arzneiflasche)
