Druckverfahren im Wandel der Zeit
Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats ist ein Lithographiestein mit einer gespiegelten Stadtansicht von Rendsburg sowie dem Druck einer Konzertkarte.
Dieser Stein ist Teil der Lithographie, des sogenannten „Steindruckverfahrens“. Hierbei handelt es sich um ein direktes Flachdruckverfahren, das 1797 von Alois Senefelder erfunden wurde. Intention des Theaterschriftstellers, Sängers, Musikers und Komponisten war es, eine kostengünstige Möglichkeit zur Vervielfältigung zu finden, beispielsweise von Notenblättern.
Für dieses Steindruckverfahren benötigt man eine Steindruckpresse, bestehend aus – am Beispiel der Steindruckpresse des Leibziger Fabrikaten Rudolph Becker aus der Zeit rund um die Jahrhundertwende in den Museen im Kulturzentrum – einem gußeisernen Maschinengestell, einem Karren, auf dem der Lithostein liegt, einer Kurbelvorrichtung und einem Reiber sowie einem Holzkeil mit einer lederüberzogenen Kante, der den eigentlich Druck ausübt. Auf feinporige Kalkschiefersteine – Solnhofener Schiefer – oder Zink-(Aluminium-)Platten wird die Zeichnung mit fetthaltiger Farbe – seitenverkehrt – aufgetragen. Die zeichnungsfreien Stellen werden mit stark verdünnter Säure wasserfreundlich gemacht. Wird nun der Stein mit fetthaltiger Steindruckfarbe eingefärbt, so haftet die Farbe nur an den fetthaltigen Zeichnungsstellen, während die wasserfreundlichen Stellen farbfrei bleiben. Im Gegensatz zum Hochdruck (Buchdruck) in dem der Druck von Flächen (Tiegeldruck) oder Zylindern ausgeführt wird, wird beim Flachdruck, der sehr hohen Druck erfordert, der Reiberdruck eingesetzt. Mit dem Reiber wird aber auf einem nur sehr kleinen Bereich ein sehr hoher Druck erreicht.
Heute wird das Steindruckverfahren in der Regel nur noch im künstlerischen Bereich genutzt. Die Steindruckpresse in den Museen im Kulturzentrum ist aber noch voll funktionsfähig und wird bei den stattfindenden Druckvorführungen von den ehrenamtlichen Druckern und Setzern gelegentlich aktiv bedient.
Stattdessen wird heute überwiegend der sogenannte „Offsetdruck“ verwendet. Dieser basiert im Kern auf dem Verfahren der Lithographie, unterscheidet sich aber darin, dass es sich nicht mehr um ein direktes, sondern ein indirektes Flachdruckverfahren mittels rotierender Zylinder handelt. Die vier Druckfarben sind cyan (blau), magenta (rot), gelb und schwarz. Das Offsetdruckverfahren, das einzelne Druckplatten benötigt, eignet sich für hohe Auflagen und wird daher auch heute noch insbesondere in Pressedruckereien verwendet.
Neben dem Offsetdruck gibt es heute die Möglichkeit zum Digitaldruck. Hierbei handelt es sich allerdings um ein völlig anderes Druckverfahren, da die Daten direkt in der Digitaldruckmaschine verarbeitet werden. Dieses Verfahren benötigt lediglich einen Arbeitsschritt, bei dem mithilfe von Lasertechnologie Text und Schrift auf Papier gedruckt werden. Einzelne Druckplatten sind somit überflüssig. Dieses Druckverfahren wird für geringe Auflagenzahlen angewandt und findet somit beispielsweise seinen Platz bei Print-On-Demand-Anfragen oder bei Druckaufträgen im beruflichen und privaten Alltag vom Computer aus.
Unter dem Bild ist der gespiegelte Schriftzug „Rendsburg, den“ zu lesen. Außerdem „Steindr. von F. Albers in Rendsburg“. Die Konzertkarte ist wie folgt beschriftet: „Abonnements Karte zum CONCERT im Nobiskrüger Gehölz C. Becker.“
Das Objekt kann noch diesen Monat im Eingangsbereich in unseren Museen im Kulturzentrum angesehen werden.
Material: Kalkstein
Datum: 1885
Maße: H: 6 cm, B: 34 cm, T: 17,5 cm (links), T: 10 cm (rechts)
