Bei unserem Objekt des Monats im September 2021 handelt es sich um ein Haarbild in einem ovalen Rahmen. Das in Handarbeit erstellte Objekt stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es wurde von dem Friseurmeister Holler in Rendsburg angefertigt und fand über dessen Nachfahren den Weg in die Sammlung des Historischen Museums. Das Material, die Haare, kommen aus drei Generationen. Es sind unterschiedliche Blond- und Brauntöne erkennbar. Das Kunstwerk zeugt von beeindruckender Feinarbeit und handwerklichem Geschick. Die goldfarbene Verzierung auf dem Rahmen, der 33 cm hoch und 33 cm breit ist, dient als zusätzliches Zierelement des Haarschmucks.
Haarbilder dienten lange Zeit als Erinnerungsträger und stellten einen engen Bezug zwischen Körper und Gedächtnis her. Sie hatten einen Wert als Souvenir und gaben Anstoß zum Denken. Haarbilder erinnerten überwiegend an Feste, wie Hochzeiten oder Taufen, aber auch an Verstorbene. Beispielsweise wurden Locken von Verstorbenen abgeschnitten und – unter anderem zusammen mit Haarsträhnen der Hinterbliebenen – zu dekorativen Haarornamenten arrangiert. Dies konnte entweder in Heimarbeit oder von Friseuren erfolgen. Dazu wurden die Haare, wie es bei unserem Objekt der Fall ist, mit Draht fixiert und in Form gebracht. Haar war als Werkstoff sehr robust und langlebig. Gewebt, gestickt oder geflochten wurden mit Haaren auch Schmuckstücke wie Armbänder oder Ringe hergestellt. Mit dem Aufkommen der Fotografie verlor das Haarbild zum Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung als individuelles Erinnerungsobjekt.
Blumen waren ein beliebtes Motiv für Haarbilder. Im 19. Jahrhundert hatte jede Blumensorte einen symbolischen Wert, weshalb in Haarbildern individuelle Botschaften festgehalten werden konnten. Leider ist es heutzutage kaum möglich, diese versteckten Botschaften zu entschlüsseln, da sich die Blumen nicht eindeutig bestimmen lassen.
Das Objekt kann in diesem Monat im Eingangsbereich der Museen im Kulturzentrum angesehen werden.
